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Von den Stämmen der Ulushai
von Andreas Metz
Das
zahlenmäßig größte Volk der Ulushai waren die
Elben, im Nermenta auch Illith genannt. Großgewachsene,
nomadisch lebende Jäger und Sammler waren sie in ihrer Frühzeit.
Die Namen ihrer Stämme in den Wäldern Anaerins waren
Turustar, Ulunindar, Etheldar, Huori und Issinor, und noch weit mehr
Stämme mögen sich über die Welt verstreut haben, doch
von diesen ist keine verlässliche Kunde überliefert, nur
ein paar Sagen und einige verwitterte Elbensteine.
Der anfänglich größte
Stamm waren die Turustar, die Schwarzelben. Sie besaßen dunkles
Haar und dunkle Augen, und mehr als alle anderen Elben liebten sie
den Dämmerschein unter den Bäumen, und sie wagten sich nur
bei Nacht hinaus auf die Lichtungen und die weniger dichten Bereiche
der Wälder. Deshalb wurden sie auch die ›Elben der
Sterne‹ genannt. In Neumondnächten fingen sie den
Sternenschein in feinen Gespinsten und machten daraus ein leuchtendes
Pulver, den Sternenstaub. Später schieden sie sich in die
Almír, die Städte und Festungen bauten und sich großes
Wissen und reiche Kunstfertigkeit aneigneten, und die Wilden
Turustar, die ihre nomadische Lebensweise beibehielten.
Die Ulunindar und die Etheldar waren
nahe verwandt und glichen sich in Gestalt wie in Sitten und
überlieferungen. Zu Anfang waren sie ein Stamm, doch ihre
Fürsten, die Geschwister Ulun und Ethel, zerstritten sich und
gingen getrennte Wege. Der eine Teil des Stammes folgte Ulun, und
dies waren später die Ulunindar; der andere Teil ging mit Uluns
Schwester Ethel, und diese nannte man die Etheldar. Ethel war eine
vorzügliche Weberin, und diese Kunst wurde bei ihrem Volk
hochgeschätzt und immer weiter verfeinert, bis die Etheldar es
vermochten, aus dem Morgentau feine Gewebe zu schaffen, die zwar
nicht sehr dauerhaft waren, aber einige erstaunliche Eigenschaften
aufwiesen.
Die Huori waren große Jäger,
die die offeneren Waldgebiete und bewaldeten Hänge liebten.
Niemand kam ihnen gleich im Bau und der Verwendung von Bögen.
Von allen Elben besaßen die Huori die geringsten magischen
Kräfte.
Die Issinor waren der zahlenmäßig
kleinste Stamm der Frühzeit, doch waren sie wissbegieriger als
alle anderen Elben und lernten rasch die Künste der Tímri.
Sie verwiesen stets mit Stolz auf ihre Abstammung von der Seherin
Unarthe, und unter ihnen fanden sich die besten Weissager und
mächtigsten Zauberer der Elben.
In den ältesten Geschichten wird
noch ein weiterer Stamm erwähnt, welcher sich selbst Ansugal,
›die Verbannten‹, nannte. Sie weigerten sich, das
Dunkle Herz zu verlassen, und blieben ihrer alten Lebensweise treu.
Alleine bei ihnen hielten sich unverfälscht die Erinnerungen an
die Ursprünge der Ulushai. Doch mit der Zeit sonderten sie sich
ab und verschwanden in die Welt der Erinnerungen und Legenden, und
die anderen Elben nannten sie fortan Eglais Nimron, ›das
vergessene Volk‹.
Die
Tímri waren zierlicher als die Illith und weniger zahlreich.
Dennoch erwiesen sie sich als kühner als alle anderen Ulushai,
und allem Neuen waren sie stets aufgeschlossen. Ihre Haut war dunkel
gebräunt von der Sonne, ihr Haar schwarz oder rot. über sie
wird an anderer Stelle genug gesagt, was hier nicht wiederholt oder vorweggenommen werden
soll. Nur dies: Ihre Geschichte ist reich an Tragik, und in späterer
Zeit nannten sie sich auch Zugulnim, die ›zweifach
Vertriebenen‹. Nach dem großen Winter siedelten sie an
der Küste des Binnenmeeres, hier blühte ihre Kultur ein
zweites Mal auf, und ihr König Oglin errang Ruhm und großen
Reichtum.
Die
nächsten Verwandten der Tímri waren die Bleichlinge, die
Fiolain, auch ›die finsteren Brüder der Tímri‹
genannt. Auch sie waren von kleinerem Wuchs als die meisten der
Ulushai; allerdings waren ihre Haut weiß und ihre Haare hell.
Albinos waren außerordentlich häufig unter ihnen. Die
Fiolain lebten in Höhlen und in den dunkelsten Tälern des
Waldes. Von den anderen Ulushai wurden sie als Plage angesehen, denn
sie liebten alleine sich selbst. Sie waren behände Jäger,
und ihr liebstes Wild waren andere Ulushai.
Ohne
Zweifel gab es neben den Illith, den Tímri und den Fiolain
noch viele weitere Seitenlinien der Ulushai, doch die meisten haben
in den alten Geschichten nie einen Namen erhalten und sind vergessen.
Eine Ausnahme sind hier die Urogath. Unter dieser Bezeichnung sind
eine ganze Reihe unterschiedlicher, scheuer und zumeist
kleinwüchsiger Waldbewohner zusammengefasst. In manchen Märchen
treten sie als Waldgeister, Schrate oder Gnomen auf. Gemein war ihnen
allen, dass sie einzelgängerisch oder in sehr kleinen Gruppen
lebten und sich nie als Angehörige eines Stammes oder Volkes
ansahen.
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