|
Bibliothek > Evann und die Vagabundin, Prolog
Evann und die Vagabundin
von Andreas Metz
Prolog
Die
Söldner ließen die Pfeife kreisen, und die gaben sie — wie selbstverständlich — auch dem Fremden,
der sich an diesem Abend ungeladen zu ihnen gesellt hatte.
Vielleicht hofften sie, dies würde ihm ein trügerisches
Gefühl der Sicherheit vermitteln; vielleicht auch, dass der
Rauch des Krautes seine Zunge lockern und ihn zu unbedachten
Äußerungen verleiten möge.
Der Anführer der Soldaten musterte
den schmächtigen Fremden mit zusammengekniffenen Augen. Er
machte mit der Hand eine ungeduldige Bewegung. »Also gut. Nun
sag schon, was du sagen willst, Fremder!«
»Ich erkenne sehr wohl, wessen
Abzeichen ihr tragt, edle Krieger«, begann der Fremde. »Und
anfangs wunderte ich mich, warum ihr euch so weit entfernt von eurem
Herrn aufhaltet. Dann erinnerte ich mich, dass kürzlich ein
Kriegszug gegen die Barbaren im Norden unternommen wurde. Und dass
dieser Kriegszug nicht sehr erfolgreich verlief.«
Der Anführer spie aus und legte
die Pfeife weg. Er mochte finden, dass das Rauschkraut mittlerweile
mehr als genug Wirkung entfaltet hatte. »Ich habe das Gefühl,
dass mir deine Schlussfolgerung nicht schmecken wird.«
Der Fremde befeuchtete die Lippen,
bevor er weiter sprach, doch das war das einzige Anzeichen von
Nervosität. »Das magst du selbst entscheiden, edler
Krieger! Wie jeder weiß, ist es schwer, ein Heer im Feindesland
beisammenzuhalten, wenn die Erfolge und damit die erhofften
Plünderungen ausbleiben. Mancher Söldner geht dann schnell
eigene Wege.«
Die Soldaten tauschten verstohlene
Blicke, und ihr Anführer erklärte finster: »Kühn
mögen dir deine Worte vorkommen, aber ich nenne sie töricht.
Wir sind bewaffnet, du nicht, und du bist alleine. Was willst du uns
da unterstellen?«
Der schmächtige Mann hob
erschrocken die Arme. »Gar nichts. Verzeih meine leichtsinnigen
Worte! Du selbst hast mich aufgefordert, offen zu sprechen.«
»Habe ich dich etwa auch dazu
aufgefordert, uns zu beleidigen?«
»Keineswegs! Eigentlich bin ich
hier, um euch zu helfen.«
Die Söldner antworteten nur mit
eisigem Schweigen. Der Fremde in ihrer Mitte schien die Gefahr nicht
zu spüren, vielleicht war er sich seiner Sache auch zu sicher,
um sich noch beirren zu lassen.
»Wie es sich auch immer mit dem
Krieg im Norden verhielt«, fuhr er scheinbar unbekümmert
fort. »Ich habe Informationen, die euch sehr nützlich sein
können.«
Der Anführer lachte, ein kurzes,
bitteres Lachen. »Und du erwartest eine Belohnung, wenn du
diese Informationen mit uns teilst, nicht wahr? Darauf bist du aus?«
Der Fremde lächelte verschlagen
und strich sich über den geflochtenen Bart. »Wenn ihr mein
Wissen richtig nutzt, ist euch die Dankbarkeit und Gnade eures Herrn
gewiss, ganz gleich, was vielleicht in der jüngsten
Vergangenheit zwischen euch und ihm vorgefallen sein mag. Wäre
es da nicht rechtens, wenn ich einen kleinen Anteil der zu
erwartenden Belohnung bekäme.«
»Ich weiß nicht, was
rechtens ist und was nicht. Von solchen Dingen verstehe ich nichts.«
Auf einen Wink seines Anführers
trat einer der Soldaten hinter den Fremden und drehte ihm mit einem
schnellen Bewegung die Arme auf den Rücken. Dieser schrie auf,
wand sich jedoch vergeblich in dem Griff.
»Was soll das?«
»Du hast etwas vergessen,
Fremder! Du bist alleine und unbewaffnet«, sagte der Anführer
und zog seinen Dolch. »Nichts hindert mich daran, all dein
Wissen zu nehmen, ganz ohne Gegenleistung...«
Erklärung:
Alle Inhalte auf dieser Homepage, insbesondere die Texte, sind urheberrechtlich geschützt und verbleiben Eigentum der Autoren. Eine Veröffentlichung (auch auszugsweise) bedarf der ausdrücklichen Genehmigung der Autoren.
|